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Iwan Petrowitsch Pawlow hatte seine wissenschaftliche Karriere im zaristischen Russland begonnen und setzte sie nach der Oktoberrevolution bruchlos fort. Die Sowjetunion förderte seinen wissenschaftlichen Ansatz in großem Stil. Für den gefeierten »Helden der Wissenschaft« wurde in Koltuschi eine regelrechte Wissenschaftsstadt eingerichtet, wo man sich ganz der Erforschung der so genannten »höheren Nerventätigkeit« widmete. Durch einen Beschluss des ZK der KPdSU Anfang der 1950er Jahre wurde Pawlows Lehre von den »bedingten Reflexen« zur »offiziellen Doktrin« erhoben. Sein materialistischer Ansatz war damit verpflichtend für andere Forschungsvorhaben.

Auch in der DDR wurde die Beschäftigung mit Pawlows Erkenntnissen forciert. Dort galt die Orientierung am Vorbild der Sowjetunion seit der Stalinisierung der SED und ihrem 1948 beschlossenen Umbau zu einer »Partei neuen Typus« für alle Bereiche der Gesellschaft.

Unter den Denkmälern auf dem Gelände der Charité stellt die Büste für Pawlow eine Ausnahme dar: Der Dargestellte hat niemals an der Charité oder an der Berliner Universität gewirkt. Die Portraitbüste wird dem Bildhauerkollektiv »Kranolda« zugeschrieben und auf 1955 datiert. Wann sie rechts vor dem Eingang der Psychiatrischen und Nervenklinik Aufstellung fand, ist nicht bekannt. 1959 jedenfalls war der Platz des abgebauten und zerstörten Denkmals für Carl Westphal dort noch leer.

Die Beauftragung der Pawlow-Büste war mit Sicherheit ein politischer Akt im Zuge der »Sowjetisierung«, für ihre spätere Aufstellung an Stelle einer vom Institutsleiter gewünschten Karl-Bonhoeffer-Büste mögen außerdem ökonomische Gründe von Bedeutung gewesen sein.
In den 1980er Jahren wurde das Pawlow-Denkmal aufgrund von Bauarbeiten eingelagert und danach nicht mehr aufgestellt.

> Beschluß des Rats der Volkskommissare vom 24. Januar 1921

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